Verena Konrad
Kommissärin
Der Österreich-Beitrag zur Biennale Architettura 2018 ist ein Plädoyer für eine gestalterische Praxis, die sich als ein Formulieren von Ideen versteht. Architektur als kulturelle Praxis setzt auf Inhalt statt auf gebaute Funktionsschemen. Der Inhalt ist eine Vision von Zusammenleben und das Vermögen, bestehende Regelwerke zu hinterfragen und neu zu erfinden. Im Streben nach diesem kontextuell immer wieder Neuen, entstehen Dinge von Bedeutung. Im Kleinen wie im Großen. In Relation zum Vorhandenen. Im Rück- und Ausblick auf das, was denkbar ist.
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Architektur ist heute ein weites Feld und vernetzt mit vielen anderen Disziplinen. Die Komplexität der Anforderungen, die heute an Architekt|innen und Gestalter|innen gestellt werden, machen eine permanente, intellektuelle Rückversicherung notwendig, damit sich Architektur und Design nicht in Pragmatismen verlaufen und in einer neoliberalen Logik aufgehen, die von Rationalisierungsmomenten und Effizienzstreben beherrscht wird und Architektur nicht nur im Dienst einer ästhetischen Ökonomie ihren Platz findet. Gestalter|innen brauchen Theorie, Konzepte, eine ausformulierte Haltung, um die politischen, sozialen und kulturellen Implikationen des eigenen Handelns kritisch reflektieren zu können. LAAC, Henke Schreieck und Sagmeister & Walsh beschreiben ihre Praxis als abstrakten Denkprozess, der eine konkrete Form sucht, in der Ästhetik, Funktion und Konstruktion zu einer Balance finden. Basis dafür ist immer eine Analyse der Aufgabe in ihrem gesamtgesellschaftlichen Kontext und der Produktionsbedingungen, die ebenso Teil dieser kulturellen Setzung sind.
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Der Beitrag „Thoughts Form Matter“ nimmt auf diese Vielschichtigkeit Bezug. So haben sich die drei geladenen Teams sowohl mit dem räumlichen wie auch historischen Kontext der Biennale di Venezia und mit dem Generalthema „Freespace“ auseinander gesetzt, dem Ort und seinen Bezügen, mit der Biennale di Venezia als insitutioneller Größe, mit dem Pavillon, der von den Besucher|innen mit rezipiert wird. In drei Installationen, die sich inhaltlich und räumlich überlagern und überschneiden, nähern sich LAAC, Henke Schreieck und Sagmeister & Walsh dem Prinzip von Architektur und Gestaltung als Erzeugen eines neuen Kontextes und als relationale Größe. Wir deuten „Freespace“ damit als räumliches als auch ideelles Konstrukt, als komplex dynamisches System, als wandlungsfähige Sphäre, geprägt durch Koexistenz. Drei Rauminstallationen, die teilweise ineinander übergehen, materialisieren bzw. visualisieren zentrale Begriffe wie „Atmosphäre“, „Abweichung“ und „Schönheit“ als Ausformulierungen dieses Gedankenkonstrukts, die die Besucher|innen einladen, sich selbst in diesem Gefüge als Akteur|innen zu positionieren, und Haltung einzunehmen.
