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Im Gespräch: Martin Haferl

ghp gmeiner haferl&partner

»Für mich ist die größte Herausforderung für die Zukunft beim Bauen allgemein die Einheit von Architektur und Langlebigkeit.«

Martin Haferl ist Gründer und Büropartner von ghp gmeiner haferl&partner, ein international tätiges Tragwerksplanungsbüro mit Sitz in Wien, geleitet von Manfred Gmeiner, Martin Haferl und René Oberhofer. Das Büro ist auf Tragwerksplanung im konstruktiven Ingenieurbau für Alt- und Neubauten spezialisiert – ohne Einschränkung hinsichtlich des verwendeten Konstruktionsmaterials. Es realisiert innovative und durchdachte Konstruktionen, die von bedeutenden Projekten in Wien wie dem Erste Campus oder dem TRIIPLE 1 Tower bis hin zu internationalen Vorhaben reichen. Dazu zählen unter anderem das Azerbaijan Carpet Museum und der Property Tower in Aserbaidschan, die Embassy of Austria in Bangkok in Thailand sowie Projekte in Sri Lanka für die One World Foundation.

Martin Haferl © Martin Haferl

Bei dieser Ausgabe der Architekturtage geht es um das Thema „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“. Inwiefern tragen Ihrer Meinung nach Infrastrukturen dazu bei, Menschen, Orte oder Gemeinschaften zu verbinden? Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein?

Der Mensch ist ein soziales Wesen und der bedeutendste Parameter für sein Wohlbefinden ist die Verbindung zu anderen Menschen. Diese Verbindung besteht auf emotionaler und physischer Ebene. Da der moderne Mensch sich örtlich frei in seiner Wirklichkeit definiert und wiederfindet, bedient er sich notwendigerweise verbindender Infrastruktur. Diese unterscheidet sich wiederum in eine Digitale und eine Physische. Wir BauingenieurInnen sind stolz, die physische Infrastruktur zu entwickeln, was scheinbar oft unbemerkt im Hintergrund und im Allgemeinen gut funktionierend stattfindet und nur durch das „nicht-funktionieren“ in das Bewusstsein der Menschen vorrückt. Spontan fallen mir alle Verkehrswege, Energieerzeugung und Versorgungsleitungen ein.

Wie definieren Sie Infrastruktur als Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit und räumlicher Qualität – und welche Verantwortung sehen Sie dabei in ihrem Bereich, für Ihr Fachgebiet?

Ich finde, die räumliche Qualität steht an vorderster Stelle, denn man fühlt sich nur wohl und hält sich nur gerne auf, wo man sich gerne aufhält. Und diese Orte haben räumliche Qualität. Ich denke, das trifft nicht nur auf den Menschen zu, sondern gilt universell, je nach individuellen Wirklichkeiten. Die technische Machbarkeit, das Vorgenannte gemeinsam mit ArchitektInnen und AuftraggeberInnen zu erreichen sollte BauingenieurInnen zur Verwirklichung anspornen und ebenfalls kreativ und innovativ am Prozess teilzunehmen.

Wo sehen Sie in ihrem Arbeitsbereich – bezogen auf das Thema Infrastrukturen - die zentralen Herausforderungen in naher Zukunft? 

Für mich ist die größte Herausforderung für die Zukunft beim Bauen allgemein die Einheit von Architektur und Langlebigkeit. Für etwas Gebautes, das 1000 Jahre Bestand hat, ist der Aufwand der Primärenergie und der Ressourcenverbrauch aufgrund der Division durch den Faktor 1000 verschwindend klein. Die heutigen Diskussionen über Nachhaltigkeit mit dem Ergebnis von „grünen“ Bauwerken mit einer Lebensdauer von wenigen Jahrzehnten ist für mich ein Irrweg, da die Auswirkung auf die Umwelt trotzdem nicht unerheblich ist. Das gilt für alle Baustoffe, mit Ausnahme von mit grüner Energie hergestelltem Stahl. Dieser ist zu 100% wiederverwendbar und die Menschheit muss ihn nur ein einziges Mal gewinnen. Wie so ein Gebautes aussieht und wie es beschaffen ist, damit der Mensch es gerne 1000 Jahre nutzt, das ist die größte Herausforderung in naher und ferner Zukunft, wo die Zusammenarbeit Aller am Prozess beteiligten gefordert ist. Die Gründe, warum man eine Struktur nicht 1000 Jahre nutzt, ist einerseits die technische Seite der Funktionstüchtigkeit, aber auf der anderen Seite, jedenfalls noch wichtiger, der Umstand, dass es „schön“ ist und man es gerne haben möchte. Das Wort “wichtiger“ deshalb, weil Funktionstüchtigkeit korrigierbar ist, „Schönheit“ nicht.


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